DIE VERHANDLUNGEN

Zur ersten Anklageschrift

Die erste Verhandlung fand am 2.2.2001, um 10 Uhr, im Landesgericht Wien statt.

Diesen Weg zu gehen war sehr schlimm für mich. An meiner Seite, meine Mutter und eine Juristin vom Frauennotruf.
Die auch Antrag stellte, den Täter während meiner Aussage aus dem Gerichtssaal zu führen. Somit war ich wenigstens dem nicht ausgesetzt ihm gegenüber zu stehen. Ich denke, dass hätte ich auch nicht durch gestanden.

Die Verhandlung an sich war nicht so schlimm, der Richter war sehr nett und einfühlsam, er stellte mir nur die nötigsten Fragen, bei denen er auch nicht verlangte das ich ins Detail gehe. Sein Anwalt stellte mir nur eine Frage und der Staatsanwalt auch nicht viel mehr.

Zu einem Urteil kam es bei dieser Verhandlung nicht. Denn der Täter stellte Antrag darauf eine Zeugin vorzuladen und ein psychiatrisches Gutachten über ihn zu erstellen (diesen Antrag zog er jedoch zurück).


Die nächste Verhandlung fand am 16.3.2001, um 9 Uhr, im Landesgericht Wien statt.

Bei dieser Verhandlung musste ich nicht anwesend sein. Eine Juristin vom Frauennotruf war vertreten.
Die von ihm genannte Zeugin machte ihre Aussage. Das war die, die mich vor ihm versteckte und mir half, denn ihr gestand er als erste und einzige damals was er mir angetan hat. Er versuchte vor der Verhandlung noch sie zu beeinflussen und appellierte immer wieder an ihre langjährige Freundschaft. Sie liess sich nicht beirren, sagte die volle Wahrheit.

Das Urteil: 4 Jahre

Er nahm es nicht an und ging in Berufung. Ebenso der Staatsanwalt, dem das Urteil zu niedrig war.
Der Täter stellte Antrag auf Freispruch oder zumindest auf Herabsetzung des Urteils.
Angeklagt war er eigentlich auf 8 1/2 Jahre

Zeitungsausschnitt vom Samstag dem 17.3.2001

4 Jahre Gefängnis für Vergewaltiger

Während seiner Haft lernte Karl ... (37) Doris als Brieffreundin kennen. Als der 20-mal Vorbestrafte wieder in Freiheit war, erkannte die Frau, wie brutal der Mann wirklich ist. Sie wollte die Trennung. Da vergewaltigte Karl ... sein Opfer zweimal und verletzte es schwer. Urteil: vier Jahre Haft.


Die dritte und letzte Verhandlung (Berufungsverhandlung) zu dieser Anklage fand am 27.11.2001, um 9 Uhr, im Landesgericht Wien statt.

Auch bei dieser musste ich nicht persönlich anwesend sein und erfuhr das nunmehr endgültige Urteil telefonisch von meiner Juristin vom Frauennotruf.

Endgültiges Urteil: 6 Jahre


Zur zweiten Anklage

Sie fand am 7.5.2002, um 10:30 Uhr, im Landesgericht Wien statt.

Es war diesmal unvermeidlich "ihm" im Wartesaal des Gerichtes aus dem Wege zu gehen.
Die vorhergehende Verhandlung war noch nicht abgeschlossen und dadurch verzögerte sich der Beginn unserer Verhandlung um ca. 15 Minuten. Minuten, die mir persönlich wie Stunden vorkamen.
Er stand nur ein paar Meter von mir entfernt.

Er wurde dann als erstes aufgerufen und ging in Begleitung des Beamten in den Verhandlungssaal.
Danach musste ich hinein und ich war froh, dass mich wieder eine Juristin vom Frauennotruf und auch meine Mutter dahin begleitet hatten.
Ich wurde nur gefragt, ob denn meine Aussage vom 21.2.2002 bei der Richterin, bei der ich schon zur Zeugenaussage geladen war, der Wahrheit entspreche und ob ich dem noch was hinzufügen möchte.
Dann wurde der Richterin der Brief im Original übergeben und da brach ich unter Tränen zusammen.
Er musste dann nochmals in den Gerichtssaal zur Urteilsverkündung.

Das Urteil: Schuldig, 12 Monate

Tja, für uns Opfer wird das Urteil für die Täter sowieso immer unverständlich und viel zu wenig bleiben.....