ANKLAGESCHRIFTEN

(Beim Landesgericht eingelangt am 12.12.2000)

Die Staatsanwaltschaft Wien legt
Karl ..... (Namen und persönliche Daten beteiligter Personen werden nicht veröffentlicht, Datenschutzgesetz)
zur Last:

Karl ..... hat Doris .....
A./ am 20.8.2000 in Wien durch Drohungen wie "Tue es, sonst passiert etwas" oder "Unterschätze mich nicht", durch die Äusserung, sie auf den "Strich" zu schicken und ihr nun zu zeigen, "wie es ist, wenn sie tatsächlich vor ihm Angst haben muss", sowie durch Absperren der Wohnungstüre und Abziehen der Schlüssel, sohin durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib und Leben, sowie Entziehung der persönlichen Freiheit, zur Duldung des Beischlafes sowie einer dem Beischlaf gleichzusetzenden geschlechtlichen Handlung vorsätzlich genötigt, indem er sie zwang sich auszuziehen, anschliessend gegen ihren Willen in der Zeit von 3:30 Uhr bis 10:30 Uhr mehrmals einen Geschlechtsverkehr mit ihr vollendete und die Durchführung des Oralverkehrs von ihr verlangte;

B./ zu einem noch näher festzustellenden Zeitpunkt im September 2000 in Mannswörth, durch die Ankündigung, er werde entweder sie oder einen ihrer Elternteile umbringen sowie am 22.9.2000 in Wien durch die Äusserung, er werde sie umbringen lassen, mit dem Tod gefährlich bedroht, um sie in Furcht und Unruhe zu versetzen;

C./ kurze Zeit nach dem 20.8.2000 durch die wiederholte Äusserung, er werde sie umbringen, falls sie bei der Polizei einmal etwas sagen werde, mithin durch Drohung mit dem Tod, zu einer Unterlassung, nämlich zur Abstandnahme von der Erstattung einer Strafanzeige wegen des Vorfalles vom 20.8.2000 (Punkt A./ der Anklage) genötigt.

Er hat hiedurch
zu A./:
das Verbrechen der Vergewaltigung nach dem § 201 Absatz 2 StGB;
zu B./:
das Vergehen der gefährlichen Drohung nach § 107 Absatz 1 und 2 StGB;
zu C./:
das Verbrechen der schweren Nötigung nach den §§ 105 Absatz 1, 106 Absatz 1 Ziffer 1 StGB,
begangen und ist hiefür unter Anwendung des § 28 Absatz 1 StGB nach dem § 201 Absatz 2 StGB zu bestrafen.

Die Staatsanwaltschaft Wien beantragt:
1.) Durchführung der Hauptverhandlung vor dem Landesgericht für Strafsachen Wien als Schöffengericht;
2.) Vorführung des Beschuldigten Karl ..... aus der Justizanstalt Wien - Simmering zur Hauptverhandlung als Angeklagten;
3.) Vernehmung der Zeugen:
Doris .....
Meine Mutter
4.) gemäss § 252 Absatz 2 StPO: Verlesung der Anzeige, der Polizeierhebungen und der Strafregisterauskunft.

Begründung:

Der Beschuldigte weist insgesamt 20 Vorverurteilungen auf, wovon 11 einschlägiger Natur sind.
(Anmerkung von mir: Davon wusste ich nichts)

Er hat keinen Beruf erlernt, ist einkommens- und vermögenslos, ledig und nicht sorgepflichtig. Seit 1995 befindet er sich in Strafhaft.
(Anmerkung von mir: War mir nicht bekannt, ich wusste wohl das er in Haft war, aber kannte weder den wahren Grund seiner Inhaftierung, noch seine wahre Aufenthaltsdauer und ich wusste es auch nicht von Anfang an, irgendwann war es zu spät für mich da raus zu kommen)

Die Bekanntschaft zu Doris ..... entwickelte sich ab dem Juni 1999 über eine Brieffreundschaft; seit Ende Juli 2000 geniesst der Beschuldigte, welcher seine Haftstrafen zur Zeit in der Justizanstalt Wien - Simmering verbüsst, erleichterten Ausgang nach § 147 StVG, sodass es seither auch zu persönlichen Kontakten mit Doris ..... ausserhalb der Anstalt gekommen ist.

Bereits Anfang August2000 wollte Doris ..... die Beziehung zum Beschuldigten wieder beenden, doch hat dieser das bis zuletzt nicht hingenommen. Der Beschuldigte verhielt sich gegenüber Doris ..... stets sehr aggressiv und es gelang ihm, diese völlig einzuschüchtern.

Am 20.8.2000 gelang es dem Beschuldigten, obwohl die Beziehung nach wie vor beendet war, Doris ..... zu übberreden, ihm Zutritt zu ihrer Wohnung Wohnung zum Übernachten zu gewähren. Er hatte sie zuvor mehrmals angerufen und gebeten diesen einen Ausgang noch bei ihr verbringen zu dürfen, da er ansonsten "gezwungen" sei, sich zu betrinken.

Aus Angst vor der durch den Alkoholkonsum noch gesteigerten Aggressivität, gab Doris ..... nach. Gegen 3:30 Uhr kamen die beiden gemeinsam in die Wohnung, worauf der Beschuldigte sofort die Wohnungstüre von innen versperrte, den Schlüssel abzog und die Fenster schloss. In der Folge brachte er Doris ..... durch Drohungen wie "Tue es, sonst passiert etwas" oder "Unterschätze mich nicht", welche auf Grund ihrer bisherigen Beziehung zu Karl ..... als Morddrohungen zu verstehen waren, dazu, sich auszuziehen.

Nach der Ankündigung, dass er sie auf den "Strich" schicken werde und ihr nun zeigen werde, wie es ist, wenn sie tatsächlich Angst vor ihm haben muss, begann er einen Geschlechtsverkehr durchzuführen. In der Folge vollendete er bis 10:30 Uhr noch mehrmals einen Geschlechtsverkehr und zwang Doris ..... zum Oralverkehr, bevor er um 18 Uhr ihre Wohnung wieder verliess (A./).

Zwei bis drei Wochen nach diesem Vorfall brachte Doris ..... den Beschuldigten mit ihrem Pkw nach Wien 11, Alberner Hafen, da dieser ein Paket abholen musste. Anschliessend dirigierte sie der Beschuldigte nach Mannswörth, wo er ihr, als das Auto zum Stillstand gekommen war, ankündigte, entweder sie oder einen ihrer Elternteile umzubringen. Die Entscheidung, welche Person es treffen sollte, machte er davon abhängig, welches Foto - darauf abgelichtet die betreffenden Personen - Doris ..... zog. Anschliessend forderte er Doris ..... auf, mit ihr im Auto zu schlafen, was diese - völlig eingeschüchtert - über sich gegen ihren Willen ergehen liess (B./).

Am 22.9.2000 trafen sich Doris ..... und ihre Mutter, ..... (Name), mit dem Beschuldigten im Lokal "Tirolereck" in Wien 11, um ihm endgültig klar zu machen, dass die Beziehung seit Anfang August beendet ist und er endlich von ihr ablassen möge.

Karl ..... verhielt sich abermals äusserst aggressiv und bedrohte Doris ....., dass er "sie umbringen lassen wird". Auf die Frage der Mutter, wann und wo dies geschehen soll, bekräftigte er seine Drohung noch mit den Worten: "In einer Stunde, in ihrer Wohnung."

Dass dies durchaus ernst gemeint war, zeigt, dass sich Karl ..... noch am selben abend Zutritt zum Haus, in dem ..... (Name, meine Mutter) wohnt, verschaffte, schliesslich aber von der Polizei dort festgenommen werden konnte (B./).

Kurz nach dem Vorfall vom 20.8.2000 (Punkt A./ der Anklage) äusserte der Beschuldigte gegenüber Doris ..... wiederholt, dass er sie umbringen werde, sollte sie der Polizei einmal etwas davon erzählen (Niederschrift mit Doris ..... vom 22.9.2000). Diese Nötigung führte auch dazu, dass sie die Anzeige der Vergewaltigung erst am 22.9.2000 erstattete, weshalb nicht nur Versuch, sondern Vollendung anzunehmen ist.

In seiner Einvernahme von der Polizei am 23.9.2000 leugnet der Beschuldigte sämtliche Vorfälle. Am 20.8.2000 habe er sich zwar bei Doris ..... entschuldigt, jedoch nicht für eine angebliche Vergewaltigung, sondern lediglich dafür, dass er im Zuge des Geschlechtsverkehrs vermutlich zu tief in sie eingedrungen sei und ihr dadurch Schmerzen bereitet habe. Karl ..... ging zu diesem Zeitpunkt nach wie vor davon aus, dass die Beziehung mit Doris ..... aufrecht sei, wenn er auch einräumte, dass es in der letzten Zeit Vorfälle gab, welche ausdiskutiert werden mussten.

In seinen Briefen an Doris ....., geschrieben in der Zeit vom 20.8.2000 und 7.9.2000, wiederholt er hingegen immer wieder, dass er die Trennung akzeptiert habe und bietet ihr seine Freundschaft an.

In einem Brief, welchen der Beschuldigte noch um 22 Uhr des 20.8.2000, somit vier Stunden, nachdem er sein Opfer alleine liess, verfasste, geht er umfangreich auf den Vorfall vom selben Tag ein. Er entschuldigt sich für den "Schmerz und Kummer", den er Doris ..... bereitet hat, dass er ihr "auf die mieseste Art, die es gibt", weh getan hat und schreibt davon, dass er keinen Willen mehr zum Leben hat. Sollte Karl ....., wie er angibt, beim Geschlechtsverkehr am 20.8.2000 lediglich zu tief in Doris ..... eingedrungen sein, wäre diese Reaktion in dem Brief wohl nicht nachvollziehbar.

Daneben belastet auch die Zeugin Doris ..... den Beschuldigten glaubhaft; dass ihre Anzeige nicht unmittelbar auf die Tat vom 20.8.2000 erfolgte, schränkt ihre Glaubwürdigkeit nicht ein, sondern ist das Resultat ihrer massiven Einschüchterung durch den Beschuldigten und ihren Versuch, ihm klar zu machen, dass die Beziehung beendet ist. Erst als mit den darauffolgenden Vorfällen (Punkt B./ und C./) dieser Versuch als gescheitert anzusehen war, entschloss sie sich zur Anzeige der Vergewaltigung.

Bezüglich Punkt C./ wird der Beschuldigte zusätzlich durch die glaubwürdige Aussage der ..... (Name, meine Mutter) belastet.

Der leugnende Beschuldigte wird somit anklagegemäss zu überführen sein.

Staatsanwaltschaft Wien
am 5.12.2000 

(Original zitiert) 


DIE ZWEITE ANKLAGE

Angeklagt ist er auf das Vergehen der gefährlichen Drohung nach § 107 Absatz 1 und 2 StGB;

Es geht dabei um seine ständigen Drohungen. Ausschlaggebend hiefür sein Brief an mich vom 31.10.2001 (nachzulesen auf der Seite "Briefe des Täters"). Geschrieben aus der, damals noch, U-Haft.

Die Verhandlung hat am 7.5.2002, um 10:30 Uhr, im Landesgericht Wien statt gefunden.

Urteil: 12 Monate